Aspekte der biologischen Evolution
Im Verlaufe der Evolution - von den blaugrünen Algen bis zum Auftauchen der menschlichen Spezies - hat die Natur ununterbrochen neue Lebensformen hervorgebracht. Das Prinzip der natürlichen Selektion hat diese neuen Lebensformen jeweils einem Test unterworfen und jene Formen eliminiert, die nicht zu den gegebenen Umweltbedingungen passten; doch jene Lebensformen, die dazu passten, überlebten und entwickelten sich weiter.
Bio-Diversität ist die Anzahl der unterschiedlichen Lebensformen, die in einem bestimmten Ökosystem vorhanden sind. Ist diese hoch, dann ist ein Ökosystem gesund. Ist sie tief, ist ein Ökosystem gefährdet.
Aspekte der kulturellen Evolution
In der kulturellen Evolution finden wir ähnliche Mechanismen. Ist die mentale Biodiversität eines Humansystems genügend hoch, dann tauchen laufend kreative Ideen, Techniken und Produkte auf. Anschließend interveniert das Prinzip der kulturellen Selektion und trennt die Spreu vom Weizen. Was diesen unerbittlichen Selektionstest überlebt, stimuliert weitere kreative Leistungen. Was eliminiert wird, verschwindet aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein oder dient allenfalls anderen Menschen als ein warnender Hinweis darauf, was man vermeiden sollte, wenn man kreative Leistungen erbringen möchte.
Je einmaliger das Resultat einer spezifischen kreativen Leistung ist, desto mehr Zeit braucht eine Gesellschaft, um dessen Wert zu erkennen. Es kann unter Umständen sogar Jahrhunderte dauern, bis das definitive Urteil vorliegt und die ursprüngliche Ablehnung der Anerkennung und Bewunderung Platz macht.
Musik – ein kulturelles Ökosystem
Im Verlauf der kulturellen Evolution entstehen in einem spezifischen Ökosystem ununterbrochen neue Formen. Musik ist ein kulturelles Ökosystem, Popsongs sind darin eine spezifische Spezies. Seit den 70er Jahren haben Popsongs viel von ihrer ursprünglichen Originalität, ihrem Charme und ihrer Vitalität verloren. Inzucht innerhalb bestimmter Musikergemeinden ist eine Hauptursache für diesen Niedergang. Um die verarmte Biodiversität im Rahmen der Popsongs zu erhöhen, müssen wir die Interaktionen zwischen Musikern und ihren Konzepten und Techniken fördern, die in Kulturen entstanden sind, die oft weit auseinander liegen.
Was der cantaurore Gottlieb Guntern zu erreichen versucht
Seit Beginn der 90er Jahre hat der songwriter Gottlieb Guntern mit zahlreichen Musikern aus unterschiedlichen Musikkulturen zusammengearbeitet. Die beiden CDs SUN TRAIL und SILK ROAD entstanden in der kreativen Zusammenarbeit mit ausgezeichneten Musikern - afro-amerikanische Jazzmusiker in San Francisco, indische klassische Raga Musiker in Mumbai und Bangalore, chinesische Folkmusiker und klassische Musiker in Schanghai und Peking und Musiker aus der Schweiz.
Das Resultat dieser mentalen Biodiversität-in-Interaktion ist ein reichhaltiges Gewebe aus Rhythmen, Melodien und subtilen Harmonien. Diese Musik gefällt unserem Ohr, und stimuliert unseren Geist. Anspruchsvolle Texte verweben scheinbare Gegensätze zu einem überzeugenden Ganzen, beispielsweise Weisheit und Ironie, Kontemplation und Provokation, Zen-artiges Losgelöstsein und mutiges soziales Engagement. |